Entdeckungen im Nationalpark

Insgesamt fanden acht Exkursionen statt, bei denen Profis und Hobby-Artenkennerinnen und -kenner gemeinsam zeigten, wie Arten erfasst, bestimmt und dokumentiert werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass jeder einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt leisten kann – ganz im Sinne des Citizen-Science-Gedankens.
Von den nachgewiesenen Arten entfielen 295 auf Insekten (38,9 Prozent), 282 auf Pflanzen (37,2 Prozent), 54 auf Vögel, 53 auf Pilze sowie zahlreiche weitere Tier- und Organismengruppen wie Spinnen, Weichtiere, Säugetiere, Reptilien und Amphibien.
Neben bekannten Arten wie dem Kuckuck oder dem Siebenpunkt-Marienkäfer gelangen auch Nachweise seltener Pflanzen und Tiere. Dazu zählen unter anderem die Sibirische Glockenblume (Campanula sibirica), der Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima), das Kleine Mädesüß sowie Nachtfalter wie der Sophienkrautspanner (Lithostege griseata) und verschiedene Staubeulen (Athetis spp.).
Auch Arten mit außergewöhnlichen Namen sorgten für Schmunzeln: Entdeckt wurden unter anderem der Breitflügelige Fleckleibbär, die Furchen-Schüsselflechte, das Marmorierte Gebüscheulchen, das Mannweibige Streifensternmoos, der Kerbhalsige Zunderschwamm-Schwarzkäfer und der Weißpunktige Schwertlilienrüssler.
Sensationeller Erstnachweis: Der größte Prachtkäfer Mitteleuropas

Gerade solche Lebensräume werden immer seltener, da Kiefern häufig geerntet werden, bevor sie alt werden und zerfallen können. In Brandenburg gilt der Marienprachtkäfer deshalb als stark gefährdet. Im Nationalpark findet er dagegen ideale Bedingungen vor: warme Trockenrasen, sandige Standorte und alte Kiefern, die als wertvoller Lebensraum erhalten bleiben dürfen.
Ameisenfischchen erreicht nördliche Verbreitungsgrenze
Ein weiterer außergewöhnlicher Fund gelang mit dem Ameisenfischchen (Atelura formicaria) – ebenfalls ein Erstnachweis für den Nationalpark.
Das kleine, dem Silberfischchen äußerlich ähnliche Insekt lebt ausschließlich als Mitbewohner in Ameisenbauten und ist die einzige ursprünglich in Mitteleuropa heimische Art dieser Tiergruppe. Nachweise aus der norddeutschen Tiefebene sind bislang praktisch unbekannt; außerhalb Ber-lins gab es bisher keine Funde. Der Nachweis im Nationalpark markiert damit die nördliche Ver-breitungsgrenze der Art und unterstreicht die besondere Bedeutung des Gebietes für speziali-sierte und seltene Tierarten.
Jeder Fund erweitert unser Wissen
Die Ergebnisse des diesjährigen Tags der Artenvielfalt zeigen eindrucksvoll, wie wertvoll gemein-same Naturbeobachtungen sind. Jede dokumentierte Art trägt dazu bei, die biologische Vielfalt des Nationalparks besser zu verstehen und langfristig zu schützen. Gleichzeitig machen die Erst-nachweise deutlich, dass selbst in einem gut erforschten Schutzgebiet noch Überraschungen möglich sind.
Oder anders gefragt: Wer weiß, welche seltenen Tiere und Pflanzen sich noch im Nationalpark Unteres Odertal verstecken?
Alle Arten wurden mit der App iNaturalist erfasst.
Das Programm mit allen Exkursionen und Details zur Anmeldung finden Sie hier: https://www.nationalpark-unteres-odertal.eu/tag-der-artenvielfalt-2026/
