Transition Days und PitchDay
Schwedt startet Transition Days mit offenem Dialog über die Zukunft des Industriestandorts
Öffentlicher Auftakt macht Fortschritte und offene Aufgaben des Strukturwandels sichtbar – Diskussion fordert mehr Tempo, Experimentierfreude und Beteiligung.

„Wir wollen der traditionellen Industrie in Schwedt helfen, sich zukunftsfähig aufzustellen. Gleichzeitig sind wir offen für neue Unternehmen und Technologien und stehen bereit, klimaneutrale und nachhaltige Produktionsweisen sowie neue industrielle Wertschöpfung am Standort zu unterstützen. Beides gehört für uns zusammen: den bestehenden Industriestandort zu stärken und zugleich Raum für neue Ideen, Technologien und Ansiedlungen zu schaffen“, sagte Bürgermeisterin Annekathrin Hoppe zur Eröffnung. Der Strukturwandel, so betonte sie in ihrer Rede, habe bereits vor 2022 begonnen, seitdem aber erheblich an Tempo gewonnen.
„Schwedt ist kein Sonderfall, sondern ein Ort des Wandels“, sagte Maya Hintschich von der BMW Foundation Herbert Quandt, die den zweiten Tag der SCHWEDT TRANSITION DAYS ausrichtet. Nirgendwo lasse sich der industrielle Umbau anschaulicher beobachten als hier: Die Raffinerie sei für Öl aus einer bestimmten Pipeline gebaut worden und müsse ihre Basis nun grundlegend neu ausrichten. „Diese Region weiß, was Wandel für Menschen bedeutet“, betonte Hintschich. Sie freue sich auf den Dialog an den drei Veranstaltungstagen.
Sascha Lademann, Projektleiter des Startup Labors Schwedt, bezeichnete die gewachsene „Industrie-DNA“ in Schwedt als wichtige Grundlage, um neue Technologien gemeinsam mit den ansässigen Unternehmen zu erproben und neue Wertschöpfung zu schaffen. Am dritten Tag der SCHWEDT TRANSITION DAYS werden die Gewinner der neuen Startup-Challenge gekürt, die ihre Ideen vor Ort weiterentwickeln dürfen.
„Einfach gute Voraussetzungen“
Die Perspektive der Industrie brachte Ralf Schairer, Sprecher der Geschäftsführung der PCK Raffinerie GmbH, in die Diskussion ein. Er erinnerte daran, dass sich die Raffinerie bereits seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 mit neuen Produktionswegen und synthetischen Kohlenwasserstoffen beschäftigt. „Für diese notwendige Transformation haben wir hier einfach gute Voraussetzungen“, sagte Schairer mit Blick auf verfügbare Flächen, Zugang zu erneuerbaren Energien und biogenem CO2. Allerdings erschwere die schwierige Gesellschafterstruktur eine gemeinsame Strategie und damit die zügige Umsetzung von Investitionen.
In seiner Keynote „Transformation ist immer“ zeigte Manuel Ott, Co-Founder der Dark Horse GmbH, wie Regionen und Organisationen auch unter unsicheren Bedingungen handlungsfähig bleiben können. Dafür brauche es eine gemeinsame Vorstellung von der Zukunft, Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg und eine große Portion Mut: „Ohne Experimente wird nichts Neues entstehen. Da müssen aber auch Dinge scheitern können.“ Regionen, so betonte Ott, hätten bei Transformationsprozessen einen besonderen Vorteil: Sie verfügten über vielfältige Akteurinnen und Akteure und damit über viele Möglichkeiten, Zukunft neu zu gestalten.
Mehr Mut zum Ausprobieren
Im anschließenden öffentlichen Dialog standen bereits sichtbare Fortschritte im Mittelpunkt: das entstehende TRAVIS am Busbahnhof, das geplante Boardinghouse und das Reallabor. Hinzu kommen die Planungen für neue Industrieflächen und ein Industriegleis. Philip Pozdorecz, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Stadt Schwedt/Oder, betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb der Region und mit Szczecin – insbesondere bei Hafenentwicklung, Wasserstraße und Schieneninfrastruktur.
Dr. Paul Fürstmann, Präsident der Unternehmervereinigung Uckermark, verglich die aktuelle Umbruchphase mit den Jahren nach der Wiedervereinigung. Er verwies auf Chancen durch KI und Unternehmensgründungen, forderte aber mehr Mut zum Ausprobieren und eine größere Fehlertoleranz. Zugleich mahnte er zügige Entscheidungen über notwendige Investitionen an.
Konstanze Fischer vom Bündnis „Zukunft Schwedt“ beschrieb die Stimmung in der Stadt als „gebremst optimistisch“: Sichtbaren Fortschritten stünden weiterhin ungelöste Strukturfragen gegenüber. Um junge Menschen für Schwedt zu gewinnen, brauche es eine verlässliche stündliche Bahnanbindung an Berlin. Von Bund und Land zugesagte Vorhaben ohne sichtbare Umsetzung kosteten Vertrauen in die Politik. Fördermittel müssten zudem schneller und unbürokratischer bei Kommunen, Vereinen und Initiativen ankommen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Beteiligung der Stadtgesellschaft. „Die Leute wollen selbst gestalten“, sagte Sven Ketel vom Technikstützpunkt „TechBil“. Vor allem junge Menschen bräuchten Freiräume, in denen sie Ideen erproben und Verantwortung übernehmen könnten. Transformation dürfe sich deshalb nicht auf technische und wirtschaftliche Projekte beschränken, sondern müsse die Zivilgesellschaft einbeziehen. Aus dem Publikum kamen Fragen zur Zusammenarbeit mit der polnischen Nachbarregion, zur Zukunft der Raffinerie und zur Unterstützung von Vereinen und Initiativen. Auf die Frage eines Gastes, wie Schwedt in 20 Jahren aussehen könnte, reichten die Zukunftsbilder auf dem Podium von einem breit aufgestellten Industriepark mit grüner Chemie, Bioökonomie sowie digitalen und hybriden Produkten bis zu einer Stadt, die dauerhaft Raum für Experimente bietet und Start-ups und Technologieunternehmen eine Heimat gibt. Wie der Weg dahin aussehen und welche Projekte konkret die Zukunft einleiten könnten, wird auf den beiden folgenden Tagen der SCHWEDT TRANSITION DAYS 2026 diskutiert und gezeigt werden.

Die SCHWEDT TRANSITION DAYS bringen vom 21. bis 23. September Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Start-up-Szene und Gesellschaft zusammen. Unter dem Leitgedanken „Learn. Think. Work.“ verbinden sie drei Formate: den öffentlichen Dialog, eine Werkstatt für ausgewählte Fachleute und Entscheiderinnen und Entscheider sowie den öffentlichen Pitch Day der #2 Startup Challenge Schwedt.
Am Dienstag kamen geladene Gäste auf Schloss Criewen zur „Werkstatt des Wandels“ zusammen. In interdisziplinären Gruppen arbeiteten sie an konkreten Lösungsansätzen für klimaneutrale Produktionspfade, nachhaltige Materialien, Infrastruktur und Genehmigungen sowie für Fachkräfte und sozialen Wandel. Die zentralen Vereinbarungen sollten im „Schwedt.Zukunfts.Pakt“ festgehalten werden.
Am Mittwoch, 23. September, folgt der öffentliche Pitch Day der #2 Startup Challenge Schwedt. Zehn Teams aus Deutschland und Polen präsentieren innovative Lösungen, mit denen die Prozessindustrie fossile Rohstoffe durch nachhaltige Materialien ersetzen und Kreisläufe schließen kann. Eine Fachjury entscheidet, für welche Teams der Auftrag um bis zu 300.000 Euro erweitert werden kann, um eine Pilotanwendung am Industriestandort Schwedt umzusetzen.
Der Pitch Day findet im Reallabor in der ehemaligen Tapetenfabrik, Kuhheide 33, statt. Einlass ist ab 13 Uhr, das Bühnenprogramm beginnt um 14 Uhr.
Organisiert werden die SCHWEDT TRANSITION DAYS von der Stadt Schwedt/Oder, dem Startup Labor Schwedt und der BMW Foundation Herbert Quandt.
Weitere Informationen: https://startuplabor-schwedt.de/events/schwedt-transition-days/
Gefördert aus Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe: „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ – GRW

