Seide, Spargel, Tabakpflanzen, …
Eine neue Ausstellung im Garten des Tabakmuseums Vierraden
Vielleicht werden Sie sich fragen, was Seide, Spargel, Artischocken und Maulbeeren mit Tabak zu tun haben. Nun, sie sind unser hugenottisches Erbe. Mit seinem Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 hatte Friedrich-Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg, die hugenottischen Glaubensflüchtlinge nach Brandenburg eingeladen, wo viele von ihnen eine neue Heimat fanden. Die Hugenotten haben in Brandenburg nicht nur den Tabak hinterlassen, dessen Kulturgeschichte das Tabakmuseum Vierraden erzählt. Sie arbeiteten überwiegend als Bauern und Gärtner. Sie pflanzten Bäume und Blumen und bauten Gemüsesorten an, die sie aus Frankreich mitgebracht hatten, wozu Spargel, Artischocken, Auberginen, Blumenkohl und grüne Bohnen gehörten. Maulbeerbäume dienten mit ihren Blättern und beerenartigen Früchten als Futter für Seidenraupen und damit als Grundlage für die Erzeugung von Seide. Auch im Schwedter Raum befanden sich Maulbeerplantagen. Doch den Raupen war es hier zu kalt, die Produktion von Seide war in unseren Breitengraden unwirtschaftlich und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgegeben.

Architektur-Studierende der Berliner Hochschule für Technik (BHT) haben sich in ganz eigener Weise dieses hugenottischen Erbes angenommen. In ihrem Studium nähern sie sich mit Zeichen-, Kompositions-, Modellbau- oder Fotografieübungen verschiedenen Entwurfsaufgaben an. Mit der Anwendung dieser Techniken, digitaler Bearbeitung und KI-basierten Experimenten entstanden vom Barock inspirierte Bildwelten. Wer kennt sie nicht, die barocken Stillleben, in denen Blumen, Obst und Gemüse oder auch erlegtes Wild präzise dargestellt und kunstvoll in Szene gesetzt wurde. Die hier ausgestellten Arbeiten zeigen vielfältige und individuelle Kompositionen. Der dunkle Hintergrund zitiert mit seinen starken Hell-Dunkel-Kontrasten die barocke Chiaroscuro-Malerei. Vordergrund und Mittelgrund werden so in der dreidimensionalen Betrachtung mit Licht, Farbe und Oberfläche dramatisch gesteigert, während der Hintergrund in der Schwärze einer visuellen und gedanklichen Unendlichkeit verschwindet. Die Arbeitsschritte stellen Etappen einer künstlerisch-multimedialen Zeitreise dar, die uns aus dem 17. Jahrhundert weit in die Zukunft führt und noch lange nicht
abgeschlossen ist. Lassen auch Sie sich inspirieren, wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Seide, Spargel, Tabakpflanzen - Hugenottisches Erbe in Brandenburg
Eine Ausstellung im Garten des Tabakmuseums Vierraden in Zusammenarbeit mit der Berliner Hochschule für Technik und der Humboldt-Universität zu Berlin
Die Ausstellung kann ab dem 10. Mai bis zum 4. Oktober 2026 im Rahmen der Öffnungszeiten und nach individueller Vereinbarung besucht werden. Das Tabakmuseum öffnet bereits ab dem 2. Mai 2026 seine Pforten.

