Sachstandsbericht 2025 Projekt „Pflege vor Ort“
zur Sitzung der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Schwedt/Oder am 2. Dezember 2025
Berichterstatterin Frau Jennifer Buchholz , Koordinatorin Pflege vor Ort
1. Einführung: Informationen zur Richtlinie und deren Zielsetzung
Die kommunale Förderrichtlinie „Pflege vor Ort“ als erste Säule des Paktes für Pflege hat zum Ziel, Menschen mit Pflege- und Hilfebedarf und ihre pflegenden Angehörigen wohnortnah zu unterstützen. Die individuellen Leistungen der Pflegeversicherung sollen mit sozialräumlichen Projekten und Maßnahmen ergänzt werden. Die Kommunen erhalten die Möglichkeit, durch die Fördermittel des Landes bedarfsgerechte Angebote für Menschen vor Ort zu schaffen. Mit „Pflege vor Ort“ soll der Baustein für den Aufbau von alters- und pflegefreundlichen Sozialräumen gelegt werden, die sich durch die Zuständigkeit der Gemeinden für die Antragstellung an den Bedingungen und Bedarfen vor Ort orientieren und diese zusammen mit den ortsansässigen Akteuren entwickeln. Die Förderrichtlinie wurde im Juli 2025 aktualisiert und ist nun bis zum 30. Juni 2027 befristet.
2. Ausgangssituation: Versorgungsstrukturen und Menschen mit Pflegebedarf in der Stadt Schwedt/Oder
In der Stadt Schwedt/Oder und ihren Ortsteilen leben 33.644 Menschen (Stand Juli 2025). Über 2.300 Menschen davon sind pflegebedürftig. Etwas über 20% der Bevölkerung der Stadt Schwedt und ihren Ortsteilen sind alte und hochaltrige Menschen ab 75 Jahren. Da dieser Anteil älterer Menschen stetig wächst, wird das Risiko höher, dass auch der Anteil der Pflegebedürftigen weiter steigt. Der hohe Anteil an Pflegegeldempfängern lässt darauf schließen, dass ein Großteil der Pflegebedürftigen privat versorgt wird und dies überwiegend durch Angehörige in der eigenen Häuslichkeit erfolgt. (1) Zum Zeitpunkt der Ist- und Bedarfsanalyse im August/September 2022 gab es im Stadtzentrum zahlreiche Teilhabe- und Beratungsangebote für Pflegebedürftige sowie ihre An- und Zugehörigen. In den Stadtteilen Talsand, Waldrand und Kastanienallee sowie in den Ortsteilen fehlten diese jedoch, was den Bedarf an entsprechenden Angeboten verdeutlichte.
(1) https://www.fapiq-brandenburg.de/wp-content/uploads/dossiers/UM/Schwedt-Oder.pdf
3. Rahmenbedingungen der Maßnahme
Der Stadt Schwedt/Oder steht nach der aktualisierten Förderrichtlinie „Pflege vor Ort“ vom 23.07.2025 entsprechend der Anlage zur Richtlinie jährlich eine Fördersumme von 129.900,00 € zur Verfügung. Diese Fördersumme muss bei Inanspruchnahme durch 20 % Eigenmittel der Kommune ergänzt werden. Die Fördermittel dürfen über die Kommunen an Dritte weitergeleitet werden. In diesem Fall können die notwendigen Eigenmittel auch vom Antragsteller erbracht werden. Den Beginn machte 2023 die Volkssolidarität Landesverband Brandenburg e.V. – Verbandsbereich Oberhavel-Uckermark (Volkssolidarität) und der Verein für Leibesübungen Vierraden e. V. (VfL Vierraden). Ein weiteres Projekt, die „Aufsuchende ergänzende Sozialpflegeberatung und Begleitung pflegebedürftiger Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwedt/Oder und den 21 Ortsteilen“ vom DRK Kreisverband Uckermark Ost e. V. (DRK), startete am 01. Januar 2024. Im 2. Halbjahr 2025 konnte die Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Schwedt e.V. (AWO) ihr Projekt der „Schulung von Seniorenübungsleiter*innen“ umsetzen. Die Laufzeit der Förderrichtlinie endet zum heutigen Stand am 30. Juni 2027. Die Fördermittel für das kommende Jahr 2026 werden nach Möglichkeit bis Ende des Jahres 2025 beantragt. Sollten sich Änderungen ergeben oder Projekte hinzukommen, muss ein Änderungsantrag gestellt werden. Mit der Inanspruchnahme von Fördermitteln ist eine Berichtspflicht gegenüber der Stadtverordnetenversammlung verbunden.
4. Begründung der Maßnahme
2021 wurden die Fördermittel zunächst dafür genutzt, um den Bedarf in der Stadt Schwedt/Oder zu erfassen. Schnell wurde klar, wie umfangreich und zeitintensiv die Erarbeitung von Ideen und Konzepten zu einer sinnvollen und nachhaltigen Verwendung der Mittel aus der Förderrichtlinie sein wird, zumal es sich hier nicht um einen Themenkomplex handelt, der die Zuständigkeit der Stadt Schwedt/Oder in der Vergangenheit berührte. Im Ergebnis der ersten beiden Workshops 2021 wurde beschlossen, dass eine Koordinatorenstelle geschaffen werden muss, die ein entsprechendes Netzwerk aufbaut und Maßnahmen und Projekte, die den Intentionen der Förderrichtlinie gerecht werden, ins Leben ruft bzw. begleitet. Die Stelle konnte im August 2022 besetzt werden.
Im nächsten Schritt wurde eine Ist- und Bedarfsanalyse erstellt. Wichtige Eckpunkte daraus sind: Im Stadtzentrum war die Stadt Schwedt/Oder gut aufgestellt. Es gab zahlreiche Angebote für die Generation Ü75, um am sozialen Leben teilhaben zu können. Einen erhöhten Bedarf gab es jedoch in den Stadtteilen Talsand, Waldrand und Kastanienallee.
Aus dem Gespräch mit der Leiterin der Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Demenz des DRK ging hervor, dass es dringend erforderlich ist, mehr Aufklärungsarbeit zum Thema Demenz zu leisten und die Beratungs- und bestenfalls auch Betreuungsmöglichkeiten zu erweitern.
Außerdem war zu diesem Zeitpunkt nicht klar, welche Angebote für die Bewohner in den Ortsteilen existieren und welche Bedarfe und Wünsche es dort gibt.
Die Teilnehmer des ersten Pflegestammtisches wurden im Oktober 2022 über die Ist- und Bedarfsanalyse informiert. Darüber hinaus hat sich die Projektgruppe der Stadt dazu entschlossen, Vereinen und Institutionen, die sich mit eigenen Projekten und Maßnahmen am Projekt „Pflege vor Ort“ in Schwedt beteiligen möchten, die Inanspruchnahme von Fördermitteln zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurde Ende 2022 ein Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben. In dem Verfahren wurden alle Interessierten dazu aufgerufen, sich mit ihren Projektideen um Fördermittel zu bewerben.
Die Stadt Schwedt/Oder hat von Oktober 2021 bis Ende Dezember 2022 Fördermittel wie folgt eingesetzt:
| Fördersumme | Eigenmittel | Gesamtsumme |
| 22.042,23 € | 10.672,72 € | 32.714,95 € |
Die Fördermittel wurden von Oktober 2021 bis Dezember 2022 verwendet für:
| Nr. | Maßnahme/Projekt | Träger | Gesamtausgaben |
| 1. | Auftaktworkshop I & II | Stadt Schwedt/O. | 2.202.23 € |
| 2. | Koordinatorin/Verwaltung PvO | Stadt Schwedt/O. | 29.633,72 € |
| 3. | Projekt „Stammtisch“ | Stadt Schwedt/O. | 879,00 € |
Die Stadt Schwedt/Oder hat für 2023 Fördermittel wie folgt beantragt:
| Fördersumme | Eigen- und Drittmittel | Gesamtsumme |
| 92.552,90 € | 23.138,23 € | 115.691,13 € |
Die Fördermittel wurden im Jahr 2023 verwendet für:
| Nr. | Maßnahme/Projekt | Träger | Gesamtausgaben |
| 2. | Koordinatorin/Verwaltung PvO incl. Zertifizierung Wohnraumberaterin | Stadt Schwedt/O. | 53.706,00 € |
| 3. | Projekt „Stammtisch“ | Stadt Schwedt/O. | 600,00 € |
| 4. | Projekt „Telefonkette“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 5. | Projekt „Nachbarschaftshilfe“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 6. | Projekt „Begegnungsangebot pflegebedürftige Schwedter*innen im sozialen Brennpunkt“ | Volkssolidarität | 35.368,90 € |
| 7. | Projekt „Gemeinsam Fit“ | VfL Vierraden | 2.878,00 € |
| 8. | Projekt „AG Ortsteile“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
Wie folgt wurden durch die Stadt Schwedt/Oder Fördermittel für 2024 beantragt:
| Fördersumme | Eigen- und Drittmittel | Gesamtsumme |
| 155.969,01 € | 38.992,26 € | 194.961,27 € |
Verwendung der bewilligten Mittel im Jahr 2024:
| Nr. | Maßnahme/Projekt | Träger | Planansatz |
| 2. | Koordinatorin/Verwaltung PvO | Stadt Schwedt/O. | 69.380,21 € |
| 3. | Projekt „Stammtisch“ | Stadt Schwedt/O. | 400,00 € |
| 4. | Projekt „Telefonkette“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 5. | Projekt „Nachbarschaftshilfe“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 6. | Projekt „Begegnungsangebot pflegebedürftige Schwedter*innen im sozialen Brennpunkt“ | Volkssolidarität | 41.440,00 € |
| 7. | Projekt „Gemeinsam Fit“ | VfL Vierraden | 2.400,00 € |
| 8. | Projekt „AG Ortsteile“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 9. | Projekt „Ergänzende aufsuchende Sozialpflegeberatung und Begleitung pflegebedürftiger Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwedt/Oder und den 21 Ortsteilen“ | DRK | 40.988,80 € |
| 10. | Projekt „Hitzeschutz“ und „Refill“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 11. | Projekt „Hilfe für Helfer“ | Demenz-Netzwerk Uckermark | 1.360,00 € |
Die Stadt Schwedt/Oder hat Fördermittel für das Jahr 2025 wie folgt beantragt:
| Fördersumme | Eigen- und Drittmittel | Gesamtsumme |
| 104.355,22 € | 26.088,80 € | 130.444,02 € |
Die bewilligten Fördermittel werden im Jahr 2025 voraussichtlich verwendet für:
| Nr. | Maßnahme/Projekt | Träger | Planansatz |
| 2. | Koordinatorin/Verwaltung PvO | Stadt Schwedt/O. | 25.846,02 € * |
| 3. | Projekt „Stammtisch“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr.2 enthalten |
| 4. | Projekt „Telefonkette“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 5. | Projekt „Nachbarschaftshilfe“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 6. | Projekt „Begegnungsangebot pflegebedürftige Schwedter*innen im sozialen Brennpunkt“ | Volkssolidarität | 44.608,00 € |
| 7. | Projekt „Gemeinsam Fit“ | VfL Vierraden | 1.520,20 € * |
| 8. | Projekt „AG Ortsteile“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 9. | Projekt „Ergänzende aufsuchende Sozialpflegeberatung und Begleitung pflegebedürftiger Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwedt/Oder und den 21 Ortsteilen“ | DRK | 32.095,60 € |
| 10. | Projekt „Hitzeschutz“ und „Refill“ | Stadt Schwedt/O. | in Nr. 2 enthalten |
| 11. | Projekt „Hilfe für Helfer“ | Demenz-Netzwerk Uckermark | 0 € |
* Mittel noch nicht vollständig abgerufen
5. Maßnahmenbeschreibung und Maßnahmenbewertung
1. Auftaktworkshop I & II
Im I. Workshop, am 17.11.2021, wurden durch die FAPIQ – Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg, der „Pakt für Pflege im Land Brandenburg – Pflege gemeinsam sichern“ sowie die Förderrichtlinie „Pflege vor Ort“ vorgestellt. Teilnehmende waren Vertreter von Vereinen und Verbänden aus den Bereichen Pflege und Beratung zur Pflege. Außerdem war es der Projektgruppe wichtig, die Bürgermeisterin, die Seniorenbeauftragte der Stadtverordnetenversammlung sowie Vertreter der Abteilung Stadtplanung der Stadtverwaltung zu informieren und einzubeziehen.
Die Einladung zum II. Treffen richtete sich an die Ortsvorsteher und Ortsteilmitarbeiter der Stadtverwaltung. Auch hier sollte erst einmal informiert werden, welche Möglichkeiten sich durch die Richtlinie eröffnen, leider ohne nennenswerte Teilnahme.
2. Koordinatorin/Verwaltung PvO
In Zusammenarbeit mit der Sachgebietsleiterin Wohnungswesen der Stadtverwaltung übernahm die Koordinatorin seit August 2022, neben der Beantragung und Abrechnung der Fördermittel beim LASV – Landesamt für Soziales und Versorgung, sämtliche Organisationsaufgaben, den Aufbau von Netzwerken, den Aufbau, die Organisation und den Erhalt des Pflegestammtisches, die Begleitung der Projekte, welche durch Dritte ausgeführt werden (6, 7, 9, 11) und die Koordination aller eigenen Projekte (3, 4, 5, 8, 10). Darüber hinaus war sie Mitglied im Pflegefacharbeitskreis des Landkreises Uckermark unter der Leitung von Herrn Hendryk Wichmann, 2. Beigeordneter. Sie nahm an Austauschtreffen von „Pflege vor Ort“ des Landkreises in Zusammenarbeit mit der FAPIQ teil und besuchte zahlreiche Fachtagungen. Zudem war die Koordinatorin in Arbeitsgruppen zum Thema Wohnberatung aktiv und hat im November 2023 die Zertifizierung zur Wohnberaterin für Ältere und Menschen mit Teilhabeeinschränkungen erfolgreich abgeschlossen. Am 05.12.2024 fand im Plenarsaal des Landkreises Uckermark die Fachkonferenz „Wohnen“ statt. Die Koordinatorin war Mitglied dieser Arbeitsgruppe. Im Januar 2025 kam es dann zu einer Neubesetzung der Koordinatorenstelle. Die neue Koordinatorin kündigte ihre Tätigkeit jedoch bereits im Februar 2025 wieder. Die Stelle blieb anschließend zunächst unbesetzt, da die Förderrichtlinie im Sommer 2025 auslaufen sollte. In diesem Zeitraum nahm die ehemalige Koordinatorin weiterhin an verschiedenen Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Pflegefacharbeitskreis, der Fachkonferenz zum Thema „Wohnen im Alter“ sowie Austauschtreffen der „Pflege vor Ort“ Koordinatoren im Landkreis Uckermark teil. Auch Wohnberatungen fanden noch für eine Weile in Präsenz und telefonisch statt. Die eigenen Projekte ruhten zu dieser Zeit, allerdings wurden Anfragen jederzeit bearbeitet. Die Projekte Dritter, auch neue, wurden ohne Einschränkungen zu jeder Zeit weiter begleitet und betreut. Am 01.09.2025 konnte die Koordinatorenstelle neu besetzt werden. Dies geschah zunächst im September 2025 im Home Office in Teilzeit und ab Oktober 2025 in Präsenz in Vollzeit. Die neue Koordinatorin befindet sich aktuell voraussichtlich bis Ende des Jahres 2025 in Einarbeitung und nimmt ab sofort, bis auf die Wohnberatung, alle Aufgaben ihrer Vorgängerin auf.
3. Projekt Pflegestammtisch
Eine sehr hohe Priorität hatte die Initiierung eines Pflegestammtischs in der Stadt Schwedt/Oder. Dieser Stammtisch dient der Vernetzung, dem Austausch und der Förderung von Zusammenarbeit aktiver Personen, Vereine und weiterer Institutionen, deren Profil, Arbeit und Wirkungskreis auf die Zielgruppe der Förderrichtlinie ausgerichtet ist. Aus den Gesprächen an jedem Stammtisch entwickelten sich neue Ideen, welche zum Teil schon gut umgesetzt werden konnten. Der Stammtisch findet bis zu 2x jährlich statt und wird von der Koordinatorin „Pflege vor Ort“ organisiert, geplant und durchgeführt. In der Regel können zu jedem Pflegestammtisch etwa 20 Teilnehmer begrüßt werden. Aufgrund der zuvor geschilderten personellen Umstrukturierung hat es in diesem Jahr nur einen Stammtisch gegeben. Der nächste Stammtisch ist für Anfang des kommenden Jahres 2026 geplant.
4. Projekt „Telefonkette“
Die Idee stammt aus der engen Zusammenarbeit mit der FAPIQ – Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg und wurde im Ergebnis des 2. Pflegestammtisches aufgegriffen. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, Menschen miteinander zu verbinden, welche wenig oder nur eingeschränkt ihre Häuslichkeit verlassen können. So ist es möglich, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und im regelmäßigen Austausch mit anderen die sozialen Kontakte zu erhalten. Gegenwärtig gibt es zwei feste Gruppen. Eine, bestehend seit Sommer 2023, mit 4 Teilnehmerinnen und eine zweite mit aktuell 3 Teilnehmerinnen. Hier hat die Koordinatorin „Pflege vor Ort“, welche dieses Projekt betreut, die Öffentlichkeitsarbeit wieder aufgenommen.
5. Projekt „Nachbarschaftshilfe“
Auch diese Idee entstand während eines Pflegestammtisches im Austausch mit der FAPIQ. Hier wurde sich jedoch für eine sehr niedrigschwellige Variante entschieden. Es soll erreicht werden, dass sich Nachbarn wieder gegenseitig für kleinere Unterstützungen zusammenfinden, so wie es „früher“ in Nachbarschaftsgemeinschaften üblich gewesen ist. Natürlich kann sich die Nachbarschaft auch über das komplette Stadtgebiet oder einen Ortsteil erstrecken. Die „Nachbarschaftshilfe“ fand bisher wenig Interesse. Einzelne Teilnehmer, die sich registriert hatten, konnten aus verschiedenen Gründen nicht zusammengeführt werden.
Dieses Projekt sowie das Projekt der Telefonkette wurde 2023 in einer Informationsveranstaltung Vertretern der großen Seniorenvereine der Stadt Schwedt/Oder vorgestellt. Alle haben ihre Unterstützung bei der Information der Vereinsmitglieder angeboten. Darüber hinaus gab es Artikel in den Mieterzeitschriften. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, die anlässlich von Jubiläen die Glückwünsche der Bürgermeisterin überbrachte, verteilte unverbindlich die entsprechenden Flyer. Auch im Stadtjournal und auf der eigenen Internetseite https://www.schwedt.eu/de/pvo wird auf diese Hilfsangebote aufmerksam gemacht. Die neue Koordinatorin hat die Öffentlichkeitsarbeit wieder aufgenommen und erneut veranlasst, dass Artikel im Stadtjournal und in den Mieterzeitschriften erscheinen. Außerdem sollen auch die entsprechenden Flyer noch einmal überarbeitet werden. Es wird weiterhin überlegt, wie man die Projekte bekannter machen und voranbringen kann.
6. Projekt „Begegnungsangebot pflegebedürftige Schwedter*innen im sozialen Brennpunkt“
Selbsthilfe zu geben, Vereinsamung durch gesellschaftliche Kontakte vorzubeugen und pflegenden Angehörigen einen Ort des Austauschs und des Ausruhens zu bieten. Auch beratende Hausbesuche wurden im Jahr 2025 mehrfach durchgeführt. Seit dem Projektstart bis zum heutigen Tag hat sich dieses Projekt ganz wundervoll in das nachbarschaftliche Umfeld integriert. Bisher konnten 2 ehrenamtliche Mitarbeiter für die Begegnungsstätte gewonnen werden, die unter anderem hausmeisterliche Aufgaben übernehmen, bei Einkäufen unterstützen und in der Betreuung mitwirken. Inzwischen verzeichnet die Begegnungsstätte durchschnittlich etwa 11, maximal 15 Teilnehmer pro Veranstaltung. Dank der guten Netzwerkarbeit und regelmäßigen Fortbildung der Leiterin der Begegnungsstätte kann ein vielfältiges Programm angeboten werden, das täglich mindestens ein Gruppenangebot umfasst. Dazu zählen Informationsveranstaltungen, beispielsweise von einem Sanitätshaus, der Demenzberatungsstelle oder einem Akustiker. Auch Spaziergänge, Spielenachmittage oder gemeinsames Kochen und Essen gehören zum Programm. Für das Jahr 2026 sind ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen geplant. So wird unter anderem ein Vortrag eines ortsansässigen Urologen angeboten, und der 3. Geburtstag der Begegnungsstätte steht an. Im Laufe der Zeit hat sich auch eine enge Zusammenarbeit mit der Kita der Volkssolidarität „Kastanienbande“ entwickelt, die weiter ausgebaut werden soll. Gemeinsam wurden bereits kleine Projekte umgesetzt, wie etwa der Bau von Fußballtoren für die Kita. Demnächst soll gemeinsam gebastelt und Plätzchen gebacken werden und ein Teilnehmer der Begegnungsstätte freut sich bereits darauf, für die Kinder den Weihnachtsmann spielen zu dürfen. Laut der Leiterin der Begegnungsstätte läuft die Öffentlichkeitsarbeit schon sehr gut. Die Einrichtung ist im umliegenden Wohnviertel vielen Menschen als Anlaufstelle für Information, Beratung und Unterstützung von Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen sowie hochaltrigen, von Pflege bedrohten Personen bekannt. Die Leiterin ist mit der Teilnehmerzahl zufrieden und weist darauf hin, dass diese aus Platzgründen ohnehin begrenzt ist. Auch für das kommende Jahr 2026 werden wieder Fördermittel beantragt.
7. Projekt „Gemeinsam Fit“
Dieses Projekt wurde vom VfL Vierraden entwickelt und wird ebenfalls seit 2023 mit Fördermitteln unterstützt. Ziel dieses Projektes ist es, im Ortsteil Vierraden wieder eine Senioren Sportgruppe zu aktivieren, welche sich aufgrund der Corona Pandemie aufgelöst hatte. Hier treffen sich hochaltrige Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Sie werden dazu ermutigt, sich mit anderen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und durch Sport und Bewegung gemeinsam fit zu bleiben. Aktivitäten finden nach Absprachen statt. Im Vordergrund steht alles, was der Gemeinschaft dient und der Vereinsamung entgegenwirkt. Vornehmlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda wuchs die Gruppe von anfänglich 8-10 Damen zunächst auf 24 Teilnehmerinnen an und umfasst aktuell wieder 20 Mitglieder. Im vergangenen Jahr bedauerte die Projektleitung, dass sich noch kein Mann entschlossen hatte, der Gruppe beizutreten, obwohl das Angebot auch an Herren gerichtet ist. Mittlerweile konnte jedoch immerhin ein Herr dazu gewonnen werden. Neben den Bewegungs- und Sportangeboten umfasste das interessengerechte Programm in diesem Jahr auch kreative und gesellige Aktivitäten wie Keramikbemalung, Spielrunden sowie das Basteln von Herbst- und Adventsgestecken, die sowohl die Feinmotorik und die Geschicklichkeit fördern als auch zur Erhaltung der geistigen Fähigkeiten beitragen. Auch Besuche im Seniorenkino und Bowlingnachmittage zählten zum Programm, um den nachbarschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und somit eine Grundlage für Hilfe zur Selbsthilfe zu schaffen. Auch für das kommende Jahr 2026 sollen wieder Fördergelder beantragt werden, um die bewährten Angebote fortzuführen und zusätzliche Aktivitäten zu ermöglichen. Zudem soll die Netzwerkarbeit weiter ausgebaut werden, um insbesondere die Sportangebote noch stärker zu erweitern. Fest vereinbart ist die Zusammenarbeit mit der Vierradener Kita, mit deren Kindern im Frühjahr und Herbst gemeinsam Waffeln gebacken werden. Der Austausch der Generationen soll damit spielerisch gefördert werden.
8. Projekt „AG Ortsteile“
Anfang 2023 gründete sich die AG Ortsteile. Als Ergebnis eines Pflegestammtischs wuchs die Gruppe von anfänglich 3 auf 7 Mitglieder. Diese hatten es sich zum Ziel gesetzt, die Bewohnerinnen und Bewohner direkt in den Ortsteilen zu erreichen. Im Juni und Juli 2023 wurden Bedarfe und Wünsche zu 8 verschiedenen Themen in einer Fragebogenaktion erfasst. In einem nächsten Schritt wurden die Themen für eine Veranstaltungsreihe entwickelt und die Organisation sowie die erforderliche Öffentlichkeitsarbeit konnten beginnen. Im Oktober und November 2023 fanden insgesamt 31 Informationsveranstaltungen in 7 Ortsteilen statt. Dieses Projekt lief, für die Zeit, die zugrunde gelegt werden konnte, gut. Die Informationsveranstaltungen in den Ortsteilen wurden mäßig gut besucht, jedoch wurden sie von den Teilnehmenden sehr geschätzt, deshalb war eine Fortführung gewünscht. Diesen Wunsch erfüllend, wurden von März bis Juni 2024 in 6 Ortsteilen insgesamt 23 Informationsveranstaltungen zu 7 Themen angeboten. In beiden Jahren wurde mehr Interesse von den Ortsvorstehern und Ortsbeiratsmitgliedern gewünscht. Anfang des Jahres 2025 wurden die Themen sowie die Veranstaltungsreihe dann in das Programm der Volkshochschule aufgenommen und durch diese zusätzlich beworben. Die Veranstaltungsreihe wurde im ersten Quartal durchgeführt. Bestimmte Themen aus dieser Reihe, wie zum Beispiel die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht, haben sich dauerhaft im Programm der Volkshochschule verankert. Das Projekt „AG Ortsteile“ endete mit Abschluss der Veranstaltungsreihe.
9. Projekt „Ergänzende aufsuchende Sozialpflegeberatung und Begleitung pflegebedürftiger Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwedt/Oder und den 21 Ortsteilen“
Das Konzept dieses Projektes war darauf ausgelegt, die langjährige Kompetenz einer Mitarbeiterin des DRK Kreisverbandes Uckermark Ost e. V. in Schwedt/Oder zu nutzen, um der immer älter und immobil werdenden Bevölkerung bestmögliche Beratung rund um das Thema Pflege anbieten zu können. Nach anfänglich mühevollen Vorstellungsterminen bei den Mitarbeitern für die Ortsteile der Stadt sowie bei den Ortsvorstehern und Seniorengruppen in den Ortsteilen, konnten dennoch zügig Sprechstunden in den Ortsteilen angeboten werden. Außerdem fanden individuelle Beratungen per Telefon oder in der eigenen Häuslichkeit statt. Die überwiegenden Schwerpunkte dieser Beratungen waren die persönlichen Lebenssituationen, die finanzielle Absicherung und damit verbundene Fragen zur Pflegeversicherung, das Nichtverstehen von Gesetzen und Behördenbriefen, das möglichst lange Verweilen in der eigenen Häuslichkeit, die Vorbereitung auf MDK Begutachtungen zur Pflegegradeinstufung und viele mehr. Im Zeitraum vom Januar 2024 bis September 2025 kam es zu insgesamt 721 Beratungen hauptsächlich im Rahmen von persönlichen Gesprächen/Gesprächsrunden, Telefonaten, und Hausbesuchen.
Im Verlauf des Jahres 2025 zeichnete sich ab, dass das Projekt zum 30.09.2025 enden würde, da die Mitarbeiterin in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen wollte und das DRK keine Ersatzperson mit der erforderlichen Qualifikation finden konnte. Deshalb wurde versucht, einen anderen Träger zu finden, der das Projekt so oder so ähnlich fortführt. Bisher ist dies nicht gelungen, es steht jedoch noch eine Entscheidung eines potentiellen Projektträgers aus.
Abschließend lässt sich festhalten, dass das Projekt, nachdem anfängliche Anlaufschwierigkeiten überwunden waren, von den Ratsuchenden gut angenommen und erfolgreich genutzt wurde.
10. Projekt „Refill“
Aus der aktiven Netzwerkarbeit heraus, hat sich die Koordinatorin zu Beginn des Jahres 2024 mit dem Thema „Hitzeschutz“ auseinander gesetzt. Schnell war klar, dass dazu eine aufklärende und informierende Artikelserie im Stadtjournal veröffentlicht wird. Parallel dazu wurde begonnen, die Idee des Projektes „Refill“ Deutschland in Schwedt/Oder zu verwirklichen. Die Grundgedanken sind, das Verständnis zu fördern, dass Leitungswasser Trinkwasser ist und Plastikmüll vermieden werden kann. Mitstreiter konnten rasch gewonnen werden, denn mitmachen kann tatsächlich jeder. Überall wo das Refill-Logo zu sehen ist, wird kostenfrei Leitungswasser zur Verfügung gestellt. Eigens dafür konnte eine Druckerei gefunden werden, welche dabei unterstützte Mehrwegflaschen für die teilnehmenden Unternehmen und Privatpersonen zu beschaffen, zu gestalten und zu bedrucken. Da auch dieses Projekt im Jahr 2025 ruhte, werden die Mehrwegflaschen im Frühjahr 2026 an die aktuell 11 Teilnehmer übergeben und können im Bedarfsfall kostenfrei an Nutzer des „Refill“ Angebots ausgegeben werden. Es wird im kommenden Jahr 2026 außerdem versucht, weitere Teilnehmer zu gewinnen.
11. Hilfe für Helfer
Die Veranstaltungsreihe des Demenznetzwerk e. V. hatte zum Ziel, die Selbstfürsorge An- und Zugehöriger von Menschen mit Demenz zu fördern und wurde, wie im Vorjahr geplant, im Jahr 2025 auch umgesetzt. Hierbei ergaben sich für das Projekt jedoch andere Finanzierungsmöglichkeiten, wodurch es zu einer Umfinanzierung kam und die Veranstaltungsreihe somit nicht mehr als ein Projekt im Rahmen von „Pflege vor Ort“ galt.
6. Ausblick
- alle eigenen und alle Projekte Dritter sollen auf jeden Fall für den Förderzeitraum Juli 2025 bis Juni 2027 weiter fortbestehen
- Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit in allen Projekten
- Verteilung der Mehrwegflaschen an die Teilnehmer im Frühjahr und Gewinn neuer Partner
- weiterhin Suche nach potentiellem Partner für Fortführung des Projektes „Ergänzende aufsuchende Sozialpflegeberatung und Begleitung pflegebedürftiger Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwedt/Oder und den 21 Ortsteilen“
- Fortsetzung der Beratung und Abstimmung mit allen Akteuren in Form der Pflegestammtische
7. Berichterstattung
Neben der Berichterstattung an die Stadtverordneten wird dieser Bericht, in gekürzter Fassung mit dem Hinweis auf unsere Webseite „Pflege vor Ort“, im Schwedter Amtsblatt erscheinen. Der gesamte Bericht wird auf der Internetseite der Stadt Schwedt/Oder, unter „Pflege vor Ort“ veröffentlicht. https://www.schwedt.eu/de/pvo
Silvio Moritz
Beigeordneter
