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Bauensemble

Das jüdische Ritualbad

1871 wurde auf dem Gelände der jüdischen Gemeinde Schwedt das Ritualbad (Mikwe) fertig gestellt. Die Mikwe (hebräisch = Sammlung des Wassers) ist ein rituelles Tauchbad zur kultischen Reinigung von Menschen und Gegenständen. Das vollständige Untertauchen in lebendigem (d. h. in natürlichem, bewegtem) Wasser dient der Erlangung sittlicher und religiöser Reinheit, die fest in das jüdische Religionsgesetz eingebunden ist. Noch heute wird die Mikwe vor der Hochzeit aufgesucht. Vor dem Übertritt zum Judentum ist das Untertauchen in der Mikwe Pflicht. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Anlässe, bei denen die Benutzung der Mikwe vorgeschrieben ist, insbesondere für Frauen nach der Menstruation oder nach der Geburt eines Kindes, für Männer nach dem Kontakt mit Blut oder Toten.

Die Schwedter Mikwe war neben der Synagoge ein wichtiger Bestandteil des in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu geschaffenen jüdischen Gemeindezentrums. Eine zehnstufige Treppe führt hinunter in eine Garderobe. Daran schließt sich ein weiterer Raum, das Badezimmer, an. Dort reinigte man sich, bevor man in das rituelle Tauchbad ging. Von hier führen acht Stufen in den runden, von einer aus Backstein gemauerten Kuppel bekrönten Raum. Dieser wird von oben durch eine Laterne belichtet. Von den hier in das Tauchbecken führenden Stufen ausgehend, weitet sich das Bassin zu einem Oval. Es hat eine Breite von 0,90 m und eine Länge von 2,00 m, sodass eine Person bequem untertauchen kann. Sein Boden liegt 4,65 m unter Straßenniveau. 

Foto: Kuppel des Ritualbades
Kuppel des Ritualbades
 

Der besondere Raumeindruck in dem ca. 6 m hohen, kreisrunden Raum mit einem Durchmesser von 2,50 m machte das rituelle Tauchbad zu einem spirituellen Erlebnis. Die schachtartige Anlage des Baderaumes erinnert an mittelalterliche Mikwen, von denen Beispiele noch heute in Speyer, Worms oder Offenburg zu sehen sind.

Foto: Grundwassermikwe
Grundwassermikwe

Das Synagogendienerhaus

Bereits beim Kauf des Grundstückes durch die jüdische Gemeinde stand ein kleines, beheizbares Gebäude in Fachständerbauweise auf dem Gartenareal. Dieser barocke Gartenpavillon entstand 1733 inmitten einer Maulbeerplantage. Vermutlich handelt es sich um das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. In der Nachnutzung durch die jüdische Gemeinde diente das Gebäude nach der Erweiterung als Wohnhaus des Synagogendieners. Er war für die Synagoge sowie die Mikwe verantwortlich und wurde über die Benutzungsgebühr bezahlt.

Foto: Synagogendienerhaus
Synagogendienerhaus

Anders als die Synagoge überstanden das Ritualbad und das Synagogendienerhaus die Zeit des Nationalsozialismus. 1950 gab die Stadt den jüdischen Friedhof und das Synagogengelände an den Landesverband jüdischer Gemeinden zurück. Bis in die 60er Jahre war der Gartenpavillon die Wohn- und Arbeitsstätte eines Schusters, der seinen Kaminruß im Badehauskomplex entsorgte.

1988 beräumten Mitglieder der Kulturbund-Gesellschaft für Denkmalpflege der DDR gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Helfern den Kuppelbau der Mikwe von Schutt. Sie schufen somit erste Vorausset-zungen für die spätere Rekonstruktion des Tauchbades.

Das Grundstück und die Gebäude befanden sich zwischenzeitlich in Privathand. 2005 erwarb die Stadt Schwedt/Oder beide. Das Synagogendienerhaus wurde am 3. April 2006 als Erweiterung des bereits eingetragenen Ritualbades in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. In den Jahren 2008/2009 erfolgte eine umfassende, denkmalgerechte Rekonstruktion des Gebäudeensembles. 

Am 4. September 2010 wurde es offiziell als Einrichtung der Städtischen Museen Schwedt/Oder eröffnet. Eine kleine Ausstellung erinnert an die Zeit, in der Schwedt noch jüdische Bürger hatte. Im Synagogendienerhaus wird jüdische Alltags- und Sakralkultur erlebbar gemacht. In der Mikwe erfahren Besucher Näheres über die Tradition der rituellen Reinheit.

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